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Mittwoch, 08 September 2021 11:00

Über Demut und Respekt

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Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Meine bisherigen Texte waren immer sehr nüchtern und informativ. Ich suche mir Themen heraus, die mir liegen und recherchiere zu diesen. Suche Fakten. Fakten sind das, was ich kann. Heraus kommen Beiträge, die Betroffene informieren und aufklären. Emotionen haben für mich da selten Platz.

Doch die letzten Wochen haben mich verändert. Sie haben mich nachdenklich gemacht. Emotional.

Die Arbeit mit den schwer und sehr schwer Betroffenen hat mich erschüttert. Diese Schicksale lassen mich nicht mehr los. Ich habe mit Menschen geschrieben, die ihr Leben als Hölle auf Erden bezeichnen. Kann man es überhaupt noch leben nennen?

Diese Schicksale übertreffen alles bei Weitem, was für mich vorstellbar ist. Es macht mich wütend, dass Menschen so leiden müssen. Es macht mich traurig und ich fühle mich machtlos.

Zusätzlich macht es mir auch unglaublich Angst. Diese Erkrankung ist so tückisch. Von heute auf morgen kann sich alles ändern. Man kann vom milden ins moderate Stadium fallen, vom moderaten ins schwere. Ich stecke selbst in den Fängen dieser Erkrankung, doch gerade aus diesem Grund versuche ich – trotz (oder wegen?) der Erkrankung mein Leben zu genießen. Denn niemand weiß, wie es mir morgen, nächste Woche, nächsten Monat gehen wird.

Man lernt die „kleinen“ Dinge zu schätzen. Sei es der tägliche Spaziergang oder die Geburtstagsfeier mit der Familie. Natürlich muss auch ich danach ruhen und habe dadurch starke Einbußen im täglichen Leben. Aber durch den Kontakt mit diesen Menschen, kommen mir diese Einbußen so klein vor und machen mich demütig.

Ich möchte euch schwer und sehr schwer Betroffenen auch hier nochmal meinen größten Respekt aussprechen. Ich kann mir euer Leid nur ansatzweise vorstellen. Ihr seid wahre Kämpfer.

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